Strafrechtliches Verbot von geschlechtsverändernden Eingriffen an intergeschlechtlichen Kindern


Am 18. März 2022 reichten Mitglieder des Ständerats die Motion 22.3355 ein, welche nicht verhältnismässige medizinische Eingriffe an intergeschlechtlichen Kindern verbieten will. Wir von InterAction Schweiz freuen uns über diese Motion, die unserem Hauptziel entspricht.



 


Medien Mitteilung (PDF Version)


Am 18. März 2022 reichten Mitglieder des Ständerats die Motion 22.3355 ein, welche nicht verhältnismässige medizinische Eingriffe an intergeschlechtlichen Kindern verbieten will. InterAction Schweiz begrüsst diese Motion, die unserem Hauptziel entspricht. 1,7 % der Weltbevölkerung haben eine Variation der Geschlechtsmerkmale. Auf die Schweiz bezogen, entspricht dies der Bevölkerung der Stadt Bern oder Lausanne. Diese Menschen haben eine angeborene Variation ihrer Geschlechtsmerkmale. Sie unterscheiden sich von den aktuellen Definitionen von männlichen oder weiblichen Geschlechtsmerkmalen. Intergeschlechtlichkeit darf nicht mit der Geschlechtsidentität verwechselt werden. Die meisten der Variationen stellen keine Gefahr für die Gesundheit des Kindes dar. Kinder mit einer Variation der Geschlechtsmerkmale werden in der Schweiz immer noch zahlreichen hormonellen oder chirurgischen Behandlungen unterzogen. Die Behandlungen werden ohne die Einwilligung der Kinder durchgeführt und die Eltern erhalten nicht alle Informationen, die sie für eine freie und informierte Einwilligung benötigen. Die UNO hat die Schweiz seit 2015 fünfmal gerügt, und beurteilt die irreversiblen Eingriffe als Folter. Die Nationale Ethikkommission hat 2012 empfohlen und 2020 bestätigt, das Kind selbst entscheiden zu lassen. Die UNO und die ECRI fordern von der Schweiz ein Verbot. Die von Mattias Michel eingereichte Motion möchte diesen Praktiken ein Ende setzen. Audrey Aegerter freut sich, dass sich die Schweiz der Rechte intergeschlechtlicher Menschen annimmt. Sie sagt: «Als wir den Verein 2017 gründeten, träumten wir von diesem Tag. Natürlich ist die Arbeit noch nicht beendet, aber zu sehen, dass das Parlament bereit ist, einen Text wie diesen einzureichen, um alle Kinder zu schützen, ist ein echter Fortschritt». Für Urs Vanessa Sager ist diese Motion «ein konkreter Fortschritt im Schutz von intergeschlechtlichen Menschen in der Schweiz. Abgesehen davon, sind die Eingriffe kurz-, mittel- und langfristig mit schwerwiegenden physischen und psychologischen Folgen verbunden.» Mirjam Werlen betont die Bedeutung eines strafrechtlichen Verbots. Sie meint: «Das Kindeswohl, die Selbstbestimmung und andere Grundrechte von intergeschlechtlichen Kindern können nur durch ein strafrechtliches Verbot geschützt werden. Die Rechtssicherheit wird durch das Zivilrecht nicht gewährleistet». Wir fragen uns, würden wir das anderen Kindern antun, nur weil sie nicht in eine Norm passen

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